PPP-ein Zwischenbericht / 2006
Laut Ankündigung der Bundesregierung soll der Anteil der in der Form der “Private Public – Partnership” privat erstellten und betriebenen Bauten der öffentlichen Hand zukünftig von heute vier Prozent auf künftig 15 Prozent Anteil am Bauvolumen gesteigert werden. Derzeit sind nach Zählung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie erst 26 Hochbauprojekte mit einem Investitionsvolumen von etwa 600 Mio. EUR (13 davon allein in NRW) im Bau beziehungsweise in Betrieb. Als BDA-Architekten sehen wir es als unsere Aufgabe an, uns mit eigener Planungs- und Durchführungskompetenz so in die Verfahren einzubringen und auf die Spielregeln Einfluss zu nehmen, dass künftig die Qualitätsaspekte eine größere Rolle spielen und durch einfachere und objektivere Eingangsvoraussetzungen die Verfahren breiteren Kreisen der Architektenschaft zugänglich werden. Nach der letztjährigen Veranstaltung des BDA NRW zur Rolle des Architekten in PPP-Verfahren (siehe “Der Architekt” 9-10/2005) Iud nun der BDA Essen, zusammen mit dem Bauindustrieverband NRW e.V. Essen, im Mai zu einer neuerlichen Standortbestimmung in die Zeche Zollverein ein. Bereits in seinen einführenden Worten empfahl Martin Halfmann, der Landesvorsitzende des BDA NW, eine Versachlichung der Debatte, um Chancen und Risken, die für Architekten in der Mitwirkung bei PPP-Verfahren liegen, bewerten zu können. Das heute übliche Punkte – Bewertungssystem sollte durch die Integration eines Architektenwettbewerbs in das Verfahren weiterentwickelt werden, um neben den wirtschaftlichen Gesichtspunkten die städtebaulichen, architektonischen und gestalterischen Aspekte zu stärken. Anhand zweier aktueller PPP-Projekte, dem Kreishaus Unna (Sanierung, fertig gestellt) und dem Rathaus Gladbeck (Neubau, im Bau) sollte ein Zwischenbericht zur gegenwärtigen Entwicklung und Praxis der PPP-Verfahren gegeben werden. Die Projekte wurden von den Architekten Urs Klipfel vom Architekturbüro AGN Paul Niederberghaus, Ibbenbüren, und Hans-Wilhelm Knaack, Düsseldorf, vorgestellt. Als Diskussionspartner waren geladen: Gerhard Becher (Bilfinger Berger BOT GmbH), Michael Frielinghaus (Architekt BDA, Friedberg), Karsten Schlattmeier (Architekt BDA, Herford), Holger Schoen (HOCHTIEF PPP Solutions GmbH), André Schader (Ernst & Young AG), Michael Stojan, Stadtbaurat der Stadt Gladbeck und Reiner Stratmann, Kreisdirektor des Kreises Unna. Moderiert wurde die Runde von Mike Gralla (Lehrstuhl für Baubetrieb und Prozessmanagement der Universität Dortmund). Folgende Fragestellungen wurden diskutiert:
Wirtschaftlichkeit – ist PPP nicht teurer als herkömmliche Verfahren?
Die Vertreter der Bauindustrie betonten die Vorteile des PPP-Verfahrens gegenüber einem vom Auftraggeber Öffentliche Hand gesteuerten GU – Verfahren. Insbesondere verwiesen sie auf den Effizienzgewinn, der sich aus der Betrachtung des Gesamtlebens-
zyklus der Immobilien ergebe. Es könnten erhebliche Ein-
sparungen bei den Betriebskosten erwirtschaftet werden, die im Betrieb einer nach herkömmlichen Verfahren ausgeschriebenen Immobilie nicht möglich seien.
Externe Berater – warum kann der öffentliche Bauherr diese Leistung nicht selbst erbringen?
Qualifizierte Beratung habe einen entscheidenden Einfluss auf Qualität und Projekterfolg – so die naheliegende Auffassung des Beraters. Die Öffentliche Hand verfüge nicht über genügend Spezialisten. Insbesondere Verwaltungsgebäude eigneten sich für PPP-Verfahren. Ausgiebige Verhandlungen im Vorfeld sicherten das Projektziel, den Einfluss des Bauherrn und einen angemessenen Preis.
Architekten – neue Aufgaben als Chancen oder Sackgasse?
Die Architekten sehen die Chancen des Verfahrens und begrüßen insbesondere die ganzheitliche Betrachtung des Lebenszyklus eines Gebäudes. Gerade hier können sie ihre Kompetenz einbringen. Gleichwohl wird eine stärkere Gewichtung von Architektur und Baukultur gegenüber der rein wirtschaftlichen Abwicklung der Bauaufgaben gefordert, vorgeschaltete Wettbewerbsverfahren könnten hierzu ein Weg sein. Eingangsvoraussetzung und Honorierung der Leistungen müssten allerdings gänzlich geändert werden.
Bauherrenrolle – Risikoverschiebung bei PPP – Modellen?
Trotz unterschiedlicher Interessenslagen im Verfahren sichern PPP – Modelle das gemeinsame Ziel und den Zusammenhalt der Partner. Sie vermeiden Nachträge und Behinderungsanzeigen mit dem Ergebnis einer Win – Win – Situation für alle Beteiligten. Die Vertreter der Kommunen sehen sich nach wie vor in der Rolle der Bauherrn, da die Verfahren in der Regel durch politische Baukommissionen begleitet werden. Allerdings teilen sie die Befürchtung, dass die Verschiebung der Leistungen auf andere mittelfristig zu einer Personalreduzierung und zu einem Kompetenzverlust auf Seiten der öffentlichen Hand führen kann.
Hohe Bürgschaften – sind PPP – Modelle mittelstandsfeindlich?
Alle Beteiligten sehen in diesem Punkt Nachbesserungsbedarf. Änderungen der gesetzlichen Grundlagen seien dringend erforderlich. Nicht nur, dass aufgrund hoher Bürgschaften zur Zeit kleinere Baugesellschaften von der Teilnahme ausgeschlossen sind, auch einem Großteil der Architektenschaft sei es nicht möglich, Vorleistungen, die bis zu 65 Prozent der HOAI – Leistungen umfassen, auf Risiko vorzufinanzieren.
Fazit
Aus den Beiträgen der Diskussionsveranstaltung ergaben sich folgende Feststellungen: PPP – Verfahren werden in Zukunft wichtiger, nicht weil sie billiger sind, sondern weil sie zu einer besseren Bauqualität führen können und die Lebenszyklus-
betrachtung ein wesentlicher Faktor der Gesamtbewertung ist. Die Berechnung der Transaktionskosten ist transparent und sorgfältig zu leisten, vor allem vor dem Hintergrund der Belastungen der nächsten Generation. Wettbewerbe mit einer unabhängigen Jury, gegebenenfalls mehrstufig organisiert, sind verpflichtend in die PPP – Verfahren zu integrieren, um die baukünstlerische Qualität zu heben und das Investitionsrisiko der Beteiligten zu senken. Die Verfahren sind zu vereinheitlichen; die Abwicklung muss einem klaren Regelwerk unterworfen werden, das die Zugänglichkeit für breite Kreise mittelständischer Teilnehmer sowohl auf Seiten der Bauindustrie wie auf Seiten der Architekten sichert. Der Wunsch diese Form des Erfahrungsaustausches zum Thema PPP fort zu setzen, war bei allen Beteiligten spürbar.
